Diese Woche haben die Medien verlautbart, dass die Bundesagentur für Arbeit es endlich geschafft hat, die Anzahl an Erwerbslosen auf unter 3 Millionen zu rechnen. Klingt ja eigentlich ganz gut, aber was für Jobs sind das denn, die man heute so bekommt?
Aus meinem Umfeld habe ich den Eindruck, dass es nur noch Jobs gibt, die entweder temporär oder lokal unsicher sind. Wenn man direkt von dem Unternehmen angestellt wird, für das man dann auch die Arbeit verrichtet, bekommt man vielleicht nur einen befristeten Arbeitsvertrag angeboten. Wenn man bei einem Dienstleister, dessen Geschäftsmodell sich im wesentlichen auf die Arbeitnehmerüberlassung stützt anfängt, kann man damit rechnen unter Umständen sogar mehrmals im Jahr die Arbeitsstelle wechseln zu müssen.
Ich als fast fertiger Ingenieur habe ja das Glück, keine Angst haben zu müssen, irgendwo irgendeinen Jobs zu finden. Nur nach dem was ich so auf virtuellen (Xing) und realen (Bonding) Jobmessen erlebe werden vor allem Jobs bei Ingenieurdienstleistern oder Beratungsfirmen beworben, also Jobs, die mit lokaler Unsicherheit behaftet sind. Da muss ich sagen, dass sich meine Begeisterung immer in Grenzen hält.
Ja, ich wäre bereit für einen Job in eine andere Stadt zu ziehen, für einen entsprechend attraktiven Job vielleicht auch aufs Land. Aber ich habe wirklich Bedenken, jährlich oder noch häufiger meinen Arbeitsplatz zu wechseln. Ich meine, wenn man alleinstehend ist und gerade von der Uni kommt, ist so ein Job bei einem Dienstleister bestimmt ganz interessant weil man viele verschiedene Orte sieht und auch viele unterschiedliche berufliche Erfahrungen sammeln kann.
Aber wie soll dass denn funktionieren, wenn man eine ernsthafte Beziehung führt? Eine Beziehung, in der der Partner nicht nur ein Anhängsel wie im klassischen Modell mit Alleinernährer und Hausfrau ist sondern eine eigene Karriere verfolgt? Ich habe deswegen schon über 3 Jahre eine Wochenendbeziehung geführt und sehe damit meinen Lebensbedarf an Fernbeziehungen gedeckt.
Ich frage mich, wie das Leute machen, die bei solchen Dienstleistern arbeiten. Oder sind das alles Singles?
Tja, und wenn du dann nebenbei noch Kinder groß ziehen und erziehen willst, geht das schon mal gar nicht. Ich will mal behaupten, dass eine Reihe familiärer Probleme der Neuzeit auf der Tatsache beruhen, dass die Eltern einfach keine Zeit haben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Großeltern wohnen auch nicht mehr um die Ecke, sondern oft ein paar 100 km weit weg.
Die Arbeitsbedingungen versauen uns schon die nächste Generation. Das ist übel…